Führung = Erfolg? Anregungen zu einer individuellen Karriere-Betrachtung

1 Comment »
Super hero business woman stepping up on stairs climbing to success on gray wall background

Wenn über Karriere gesprochen wird, dann scheint es mir häufig mit der Vorstellung von Führung als Beweis des Aufstiegs und des beruflichen Erfolgs verbunden zu sein. Dazu gibt es viele Studien, die besonders die Karrieren von Männern und Frauen unter diesem Aspekt vergleichen – ein wenig so, als wäre der horizontale Aufstieg das einzige Kriterium.

Systemfrage

Mich beschäftigt jedoch, ob es nicht wichtiger wäre, das System, aus dem heraus wir diese Frage stellen, zu betrachten. Anstatt nur auszuwerten, inwieweit Männer und Frauen gleich „viel“ Karriere machen. Denn diese Betrachtung setzt voraus, dass es EINEN Begriff dafür, EINE Vorstellung davon, nur einen Weg zur beruflichen Zufriedenheit gibt.

Die vielen Gesichter der Karriere

Die Arbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen im Rahmen meiner HR-Tätigkeit und als Coach hat mich zu der Erkenntnis geführt, dass Karriere viele Gesichter hat. Und da auch ansonsten Schönheit im Auge des Betrachters liegt, könnten wir eigentlich dasselbe über den beruflichen Weg sagen.

Diese Vielfalt scheint zwar mehr und mehr (an)erkannt zu werden. Was das Thema Karriereaufstieg und Führung anbelangt, habe ich allerdings den Eindruck, dass es hier nur EINE Schablone gibt: Steig´ auf = du bist erfolgreich.
Alles andere fällt durch´s Raster.

Was wäre, wenn wir Erfolg viel individueller definieren?

Geht es mir im Leben besonders um Freiheit, um Nachhaltigkeit oder um Gemeinschaft, dann sind lineare Aufstiegsmodelle möglicherweise nicht das passende System. Findet jemand seinen Weg, ist er oder sie damit zufrieden, so scheint mir dies das deutlichste Zeichen für Erfolg zu sein. Denn wenn aus dem, was uns wichtig ist, was uns am Herzen liegt, etwas erfolgt, so ist das Erfolg-reich.

Alternative Erfolgsmodelle

Ich kann mich zum Beispiel erfolgreich fühlen, wenn ich einen qualifizierten Teilzeit-Job gefunden habe, der mir eine ausgewogene Work-Life-Balance gestattet, so dass mir viel Zeit für Hobbys, für Familie und Freunde bleibt.

Mich mit einem Ein-Mann/Frau-Unternehmen selbstständig zu machen, kann eine Erfolgs-Variante sein, bei der ich meinen Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit auslebe, ohne Führungsverantwortung für andere zu übernehmen.

Erfolg kann für mich auch darin bestehen, in vielen Projekten mitzuarbeiten, so dass Werte wie Zusammenarbeit, Kollegialität, Interdisziplinarität zum Tragen kommen. Eine Projektkarriere könnte hier das Richtige für mich sein.

Auch der Wunsch, mich beruflich ganz einem für mich persönlich wichtigen Thema zu verschreiben – sei es Berlin zur fahrradfreundlichen Stadt zu entwickeln, Kunst für Kinder in die Schulen zu bringen oder Aufklärungs-Kampagnen über 5G zu initiieren-, kann dazu führen, dass Führung keine Rolle spielt. Dann bin ich auf authentische Weise erfolgreich, auch wenn ich durch die klassische „Erfolgs-Schablone“ falle, die Aufstieg als Kriterium definiert.

Eine Fachkarriere ist eine weitere Variante jenseits des Führung = Erfolgs-Modells. So kann ich mich entscheiden, innerhalb meines Bereichs einen horizontalen Karriereweg zu verfolgen. Arbeite ich zum Beispiel im Bereich Finanzen und Controlling, könnte mein Weg sein, meine fachlichen Kompetenzen hier immer weiter zu vertiefen, so dass ich Expertin/Experte auf meinem Gebiet werde. Nicht die vertikale Karriere, sondern die Tiefe meines Wissens kann für mich der richtige Weg sein, wenn ich erkenne, dass Führung nicht mein Thema ist.

Wissen ungleich Führung

Ausgeprägtes Wissen und Kompetenzen haben also nicht zwangsläufig etwas mit Führung zu tun. Mitunter sogar im Gegenteil. Denn ein Mensch, der sich sehr in ein fachliches Thema vertieft, hat möglicherweise keinen Spaß daran, für andere den Chef oder die Chefin abzugeben. Die Rolle einer Führungskraft besteht eben nicht darin, durch spezifisches Fachwissen zu glänzen – sondern die Mitarbeiter/innen so anzusprechen und zu erreichen, dass sie sich mit Engagement und Motivation für ihre Ziele und das Unternehmen einsetzen. Und dies hat sehr viel mit sozialen, weniger mit fachlichen Kompetenzen zu tun, wie Forschungsergebnisse zeigen.

Erfolg bedeutet für mich…

Wenn ich mich wegbewegen möchte vom gängigen Erfolgsmodell Führung = Karriere, dann brauche ich eine Alternative. Doch wie kann diese aussehen?
Habe ich noch keine konkrete Vorstellung im Kopf, so kann die Reflexion der folgenden Fragen helfen:

* Wie möchte ich arbeiten?
* Was ist meine persönliche Karrierevorstellung?
* Wie stelle ich mir gute Arbeit vor?
* Was möchte ich im Leben verwirklichen?

* Bei welcher Arbeit fühle ich mich gut?
* Wann bin ich authentisch im Job?
* Was bedeutet Erfolg für mich?
* Woran erkenne ich, dass ich erfolgreich bin?

Was ist Ihr persönliches Erfolg-Reich?
Ich bin gespannt auf Ihr Feedback!

Tags:

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Andreas Pfeffer am 21. Januar 2020 um 11:06 Antworten

    Ein Freund von mir hatte sich in verschiedenen Shop Konzepten versucht. Seine Bestrebungen ein “richtiges” Business aufzubauen scheiterten aber an Ende, und er ging in’s Ausland, mit hohen Schulen im Gepäck, um einen Neuanfang zu machen. Um die Wurzel seines Misserfolges auszureißen begann er ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaft “um alles auf die richtigen Beine zu stellen”. In der Seminar Praxis würden die Teilnehmer nach ihren Erfolgen und Misserfolgen befragt, und es stellte sich bei ihm heraus, dass dort die größten Erfolge bei ihm gelegen hatten, wo er für sich immer gedacht hatte “das ist doch kein richtiges Business”: nämlich auf Märkten Waren zu verkaufen. Es entstand nun die Frage: wir wäre es, wenn ich mich mit Neuberg Erfolgen wirklich ernst nehmen würde? Heute hat er einige Hütten auf Berliner Weihnachtsmärkten und arbeitet dafür ca 4 Monate im Jahr. Alles ist perfekt organisiert. Von der Zeiterfassung bis zur Warenwirtschaft. Er verdient innerhalb dieser wenigen Monate mehr als je zuvor….

Schreiben Sie einen Kommentar

*
*